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Umweltproduktdeklarationen (EPDs) für die TGA Branche – der Startschuss ist gefallen

Date: 03/02/2016
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Die Bedeutung der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) Branche in Bezug auf die politisch und gesellschaftlich geforderte Energiewende ist groß. Gebäudetechnische Anlagen können nicht nur die Klimaziele positiv beeinflussen, unter anderem durch neue Technologien, Effizienzsteigerungen und den Einsatz erneuerbarer Energien. Die TGA wird in Zukunft auch einen wichtigen Beitrag leisten Energie zu speichern, zu managen und intelligent zu verteilen.

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Dennoch sieht sich die TGA Branche seit Jahren dem Vorwurf ausgesetzt, dass Sie Ihrer Pflicht Nachhaltigkeitsinformationen bereit zu stellen, trotz Ihrer enormen Verantwortung im Gesamtkontext Energiewende, nicht ausreichend nachkomme. Zurecht verteidigten sich einige Hersteller, dass ohne eine harmonisierte Grundlage die Informationsbereitstellung aufgrund der Komplexität und Vielfalt wenig Sinn mache. In diesem Zusammenhang zeichnet sich nun ein Quantensprung ab. Am 1. Februar 2016 wurden die ersten Produktkategorieregeln für ausgewählte Heiz- und Klimageräte vom Institut Bauen & Umwelt veröffentlicht. Diese dienen als einheitliches, verbindliches Regelwerk für die Erstellung von Umweltproduktdeklarationen.Nun haben die Hersteller von TGA erstmals die Möglichkeit vergleichbare, verifizierte und lebenszyklusbezogene Umweltinformationen Ihrer Produkte bereit zu stellen.

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Bedeutung der TGA für die Nachhaltige Entwicklung

Rund 40% des globalen Energie- und Ressourcenverbrauchs entfallen auf den Bausektor. Mit der Erzeugung von bis zu 30 % der energetisch bedingten CO2- Emissionen gelten Gebäude als größter Verursacher von Treibhausgas-Emissionen weltweit.

Betrachtet man beispielsweise Wohngebäude in Deutschland, so werden fast 90 Prozent des Energieverbrauchs eines privaten Haushalts für Heizung und Warmwasser verwendet. Den deutlich überwiegenden Anteil macht dabei mit rund drei Vierteln des Energieverbrauchs die Raumwärme aus. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau, und Reaktorsicherheit (BMUB) schätzt, dass sich bei Altbauten im Einzelfall der Energieverbrauch um 90% senken ließe. Im bundesdeutschen Durchschnitt seien es immerhin 50%. Altbauten müssten besser gedämmt und ineffiziente Heizungen durch moderne Anlagen ersetzt werden.

Die Modernisierung der Altbauten sind ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Erreichen der Klimaziele, jedoch lassen sich weitere künftigen Herausforderungen nur ausschließlich durch Sanierung nicht meistern. Experten sprechen von der Notwendigkeit, die Energieproduktion, Speicherung und Verteilung sukzessive zu dezentralisieren. In der Dezentralisierung liegt ein hohes Potential an Flexibilität und Intelligenz, welches insbesondere vor dem Hintergrund des zunehmenden Einsatzes erneuerbarer Energien dringend aktiviert werden muß. Windkraft und Photovoltaik liefert nun einmal nicht konstant Energie. Und damit muß entsprechend umgegangen werden.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch global, werden Technologien und Konzepte für die Meisterung der energetischen und umweltbezogenen Herausforderungen erarbeitet. Es stellt sich jedoch rasch die Frage, welcher dieser Lösungsansätze für den jeweiligen Anwendungsfall am besten geeignet ist? Welche Technologie ist nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch sinnvoll? Und auf Basis welcher Informationen können diese Entscheidungen getroffen werden?

Einheitliche Regeln für die Informationsbereitstellung für TGA sind geschaffen

Die notwendigen Informationen zur Beantwortung dieser Fragen liefert u.a. die Umweltproduktdeklaration (engl. Environmental Product Declaration, kurz EPD). Gerade bei Bauteilen, die im Gesamtkontext des Gebäudes eine sehr große Rolle spielen, stellen die Ergebnisse aus EPDs für Planer, Bauherren und Entscheider eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Produktauswahl dar. Aufgrund der hohen Informationsqualität empfiehlt auch die europäische Bauproduktenverordnung EPDs als Basis für die CE Kennzeichnung von Produkten.

EPDs basieren grundsätzlich auf der ISO-Norm 14025 (Environmental Labels and Declarations – Type III Environmental Declarations) und speziell für Bauprodukte, auf der DIN ISO 21930 (Sustainability in Building Construction – Environmental Declaration of Building Products). Diese beiden Regelwerke legen allerdings ihren Fokus mehr auf grundsätzliche und organisatorische Fragestellungen. Uminsbesondere hinsichtlich methodischer Aspekte eine Vergleichbarkeit der Informationen zu gewährleisten und um Handelshemmnisse zu vermeiden, dient die europäische Norm EN 15804 (Sustainability of construction works - Environmental product declarations - Core rules for the product category of construction products) als international anerkanntes Kern-Regelwerk, wenn es um die Festlegung des ökologischen Untersuchungsrahmens geht.

Da diese Norm für alle Produkte mit Gebäudebezug gültig ist, und nicht auf spezifische Besonderheiten einzelner Produktgruppen eingeht, werden für die einzelnen Produktgruppen sog. Produktkategorieregeln (engl. Product Category Rules, PCRs) erstellt. Diese PCRs konkretisieren die EN 15804 u.a. hinsichtlich der spezifischen Rahmenbedingungen und Rechenregeln für die Ökobilanz der jeweiligen Produktgruppe, sowie bezüglich der zu deklarierenden technischen und gesundheitsrelevanten Daten. Darüber hinaus definieren die PCRs den Umfang und Inhalt der beschreibenden Texte, z.B. in Bezug auf die Herstellung, Verwendung oder Entsorgung eines Produktes.

Für die Produktgruppen Heiz- und Kühlsysteme wurde nun durch die Entwicklung spezifischer PCRs das Fundament für eine EPD Erstellung geschaffen. Die Dokumente wurden von Herstellern der TGA Branche erarbeitet und vom Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU) zur öffentlichen Kommentierung gestellt, konsolidiert und veröffentlicht (https://epd-online.com). Die Dokumente basieren hinsichtlich der Berechnung der Nutzungsphase auf den Verordnungen der Europäischen Kommission zur Energiekennzeichnung von Raumheizgeräten und Kombiheizgeräten (delegierte Verordnung (EU) Nr. 811/2013), sowie netzbetriebene Luftkonditionierer (delegierte Verordnung (EU) Nr. 626/2011). Zusätzlich gelten die Festlegungen der EN 15804, der ISO 14025 und DIN ISO 21930.

Somit sind einheitliche, normenkonforme und konsistente Randbedingungen, nicht nur für die Betrachtung der Einzelgeräte, sondern auch für die Kombination aus verschiedenen TGA Komponenten gewährleistet. Hierbei können die jeweiligen Hersteller auf bereits bekannten Regelungen und zum Großteil bereits existierenden Berechnungen aufbauen. Der Geltungsbereich der PCRs umfasst im Augenblick Kleingeräte, d.h. Heizgeräte mit einer Leistung ≤ 70kW und Kühlgeräte mit einer Leistung ≤ 12kW. Eine Erweiterung des Geltungsbereichs der o.g. PCRs ist bereits in der Planung, spätestens wenn Geräte höherer Leistungsklassen von entsprechenden EU-Verordnungen abgedeckt werden.

Einfluss der TGA auf die Gebäudebewertung

Im Jahr 2014 wurde in Deutschland bei Neubauten beinah jeder fünfte Euro in ein Gebäude mit Nachhaltigkeitszertifikat investiert – Tendenz steigend. Die TGA spielt in diesem Zusammenhang häufig eine Schlüsselrolle für die Bewertung des Gebäudes, da sich ihr Einfluss über einen langen Zeitraum erstreckt. Entsprechend relevant ist eine hohe Qualität an zertifizierungsrelevanten Informationen.

Die offizielle Datengrundlage im Rahmen der Deutschen Gebäudezertifizierungssysteme ist die vom Ministerium verwaltete und frei verfügbare ÖKOBAUDAT (www.oekobaudat.de). In dieser Datenbank gibt es für die Herstellung, Nutzung und Entsorgung von TGA bislang lediglich sog. Industriedurchschnittsdatensätze. Sämtliche Datensätze sind aufgrund der eingeschränkten zeitlichen und technologischen Repräsentativität mit einem Sicherheitszuschlag von 20% versehen.

Nach Veröffentlichung der neuen PCR für TGA  haben Hersteller von Heiz- und Kühlsystemen nun die Möglichkeit, ihren Kunden und Geschäftspartnern durch die EPD-Erstellung einen echten Vorteil z.B. im Rahmen der Gebäudezertifizierung, zu verschaffen.Durch spezifische Produktinformationen für Heiz- und Kühlsysteme kann die Gebäudebewertung je nach herrschenden Randbedingungen um bis zu 2% positiv beeinflusst werden– mit keiner anderen Einzelmaßnahme konnte bislang ein solch großer Einfluss bewirkt werden.

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